Zwanzig Teile meines Körpers

Zwanzig Teile meines Körpers

Zwei Beine hab ich, krumm und schief,
hören selten auf mein Wort.
Egal auch, wo ich je lang lief,
kam ich doch immer fort.

Die Füße, sie sind platt und senk,
es spreizen sich die Zehen.
Mich dünkt, sie sind oft ungelenk
und doch kann ich mit gehen.

Die Knie knarzen dauerhaft,
Sand scheint in ihnen zu stecken.
Das Geräusch ist schauderhaft,
wenn ich sie tue strecken.

Die Hüften scheinen gut gemacht,
sie sind mir wohl gesonnen.
Grad hab ich das noch so gedacht,
hat´s prompt zu ziehen begonnen.

Das Backentier ist schön und prall
und bleibt es auch noch lang.
Auch wenn ich vielleicht mal drauf fall,
oder mir nen Tritt einfang.

Der Zipfel und das Glockenspiel,
ich würd sie launisch nennen.
Sie tun ansonsten auch nicht viel
und läuten leis beim rennen.

In meiner Mitte thront der Bauch,
er hat ein Eigenleben.
Vertrauen kann ich ihm ja auch,
nur nicht immer eben.

Der Rücken, nun, ich habe ihn,
er trägt die Innereien.
Manchmal gibt’s auch dort ein Ziehen,
als würd es mich entzweien.

Die Schultern, sie sind stark und breit,
zumindest waren sie´s mal.
Damals war ich kampfbereit,
heut sind sie eher schmal.

Zwei Ärmchen hab ich, lang und stark,
ich kann dich mit umschlingen.
Gestählt durch sehr viel Magerquark,
Gewichtheben und Ringen.

Und Hände, ach, sie greifen gern
und packen alles an.
Sie scheinen wie vom andern Stern,
obwohl´s nicht sein kann.

Die Finger, zehn sind´s an der Zahl,
man kann sehr viel mit ihnen tun.
Wird mir Stress zur Höllenqual,
können sie kein bisschen ruhen.

Ach der Hals, er ist auch da,
meist kann ich ihn bewegen.
Er trägt den Kopf im Stehen, ja,
und hält ihn beim hinlegen.

Dann kommt das Kinn, fast unbehaart,
wie´s aussieht, ist´s normal.
Wär auch blöd, hätt man´s gespart,
das Essen wär ne Qual.

Naja, der Kopf, er ist halt rund,
meiner eher wie´n Ei.
Er beherbergt auch den Mund,
aus ihm lass ich Worte frei.

Ohren hab ich, riesengroß,
ich hör selbst Flöhe husten.
Die Akustik ist famos –
bei Wind hör ich nur Pusten.

Die Nase ist leicht hügelig,
auch läuft sie mir recht gern.
Doch ist sie auch zweiflügelig,
und das von nah und fern.

Meine Augen find ich gut,
sind blau und ozeantief.
Nur wenn mich packt die reine Wut,
blicken sie ein wenig schief.

Die Stirn liegt öfters mal in Falten
und mit dem Alter will sie fliehen.
Es ist ja fast zum Haare spalten,
spür ich hinter ihr ein Ziehen.

Und meine Lippen, feucht und voll,
zum Küssen talentiert.
Ach, ich find das Küssen toll,
ich hab es lang studiert.
(RG1159-020519)

und hier auch noch zum Hören für die Öhren: